Drohnen im Urlaub: Regeln, Transport und Auslandseinsatz

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Du hast die perfekte Einstellung im Kopf: Die DJI Mini im goldenen Abendlicht über der Algarve, oder vielleicht ein schneller Flug über die Reisfelder auf Bali. Klingt traumhaft. Aber der Weg dorthin kann schnell zum Albtraum werden, wenn man am Flughafen steht und der Sicherheitsbeamte plötzlich kritisch auf den Rucksack schielt oder – noch schlimmer – die Drohne bei der Einreise konfisziert wird.

Ich fliege seit Jahren mit Coptern durch die Weltgeschichte, und glaub mir: Es gibt nichts Nervigeres, als am Gate die eigenen Akkus auspacken zu müssen, weil man eine kleine Regel im Kleingedruckten der Airline übersehen hat. Reisen mit Drohne ist machbar und macht riesigen Spaß, aber du musst vorbereitet sein. Und zwar nicht nur „ich habe mal kurz geschaut“, sondern richtig.

Hier ist der unverblümte Guide, worauf du achten musst, damit dein Quadrocopter heil ankommt und du legal in die Luft gehen kannst.

Der Transport: Bitte nicht ins Aufgabegepäck!

Das ist der Fehler Nummer eins, den ich immer wieder in Foren lese. Leute packen ihre Drohne gut gepolstert in den Koffer, geben ihn auf und wundern sich, wenn sie am Zielort ausgerufen werden oder der Koffer ohne Akkus ankommt.

Die Faustregel ist simpel: Die Drohne selbst darf theoretisch in den Koffer, aber die Akkus gehören zwingend ins Handgepäck.

Warum? Lithium-Polymer-Akkus (LiPos) sind kleine chemische Kraftwerke. Wenn so ein Ding im Frachtraum Feuer fängt (durch Druck, Beschädigung, Kurzschluss), löscht das automatische System dort unten den Brand oft nicht schnell genug. In der Kabine kann die Crew reagieren. Deshalb bestehen die IATA und fast alle Airlines darauf: Akkus am Mann.

Hier ist meine Routine am Flughafen, die sich bewährt hat:

  • Kleb die Kontakte deiner Akkus ab. Ein einfacher Streifen Isolierband reicht. Das verhindert Kurzschlüsse, wenn in der Tasche mal ein Schlüssel oder eine Münze blöd dagegen rutscht.
  • Nutz LiPo-Safe-Bags. Das sind diese feuerfesten Taschen aus Glasfaser. Kosten vielleicht 10 Euro bei Amazon. Manche Airlines verlangen sie nicht explizit, aber bei einer strengen Kontrolle in Asien (Singapur ist da extrem penibel) haben mir diese Dinger schon den Hintern gerettet. Es signalisiert: „Ich weiß, was ich tue.“
  • Lade die Akkus nicht auf 100%. Ein voller LiPo steht unter höherer chemischer Spannung und ist reaktiver. Lagerspannung (ca. 40-60%) ist sicherer und schont auch noch die Lebensdauer.
  • Die Drohne selbst (also der Body) kommt bei mir auch ins Handgepäck. Nicht wegen der Sicherheit, sondern weil Koffer geworfen werden. Hast du mal gesehen, wie Bodenpersonal mit Hartschalenkoffern umgeht? Da hilft auch kein „Fragile“-Aufkleber. Ein Gimbal ist ein Präzisionsinstrument, das mag keine Schläge.

Die 100-Wattstunden-Grenze

Die meisten Sicherheitskontrollen orientieren sich an der 100 Wh (Wattstunden) Grenze pro Akku. Alles darunter geht fast immer klar. Aber Achtung: Das gilt pro Akku, nicht insgesamt.

Wie rechnest du das aus? Ganz einfach: Amperestunden (Ah) x Volt (V) = Wattstunden (Wh).

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Standard-Akku der DJI Mavic 3 hat rund 77 Wh. Kein Problem. Hast du aber eine fette Inspire oder ein Profi-Rig dabei, knackst du schnell die 100 Wh. Zwischen 100 und 160 Wh brauchst du oft eine Genehmigung der Airline vorab. Alles über 160 Wh ist im Passagierflugzeug meistens verboten (Cargo only).

Rechtliches: Die EU ist (eigentlich) einfach geworden

Früher war Europa ein Flickenteppich. In Frankreich brauchte man gefühlt drei Diplomatenpässe, in Italien durfte man nicht mal atmen. Seit der Harmonisierung durch die EASA (European Union Aviation Safety Agency) ist das besser, aber immer noch tricky.

Wenn du in der EU (plus Norwegen, Island, Schweiz) fliegen willst, merk dir folgendes:

  • Deine deutsche Registrierung (e-ID) gilt überall. Du musst dich nicht in jedem Land neu registrieren. Kleb deine Nummer auf die Drohne. Fertig.
  • Der „kleine“ Drohnenführerschein (A1/A3 Kompetenznachweis) wird ebenfalls überall anerkannt. Hab ihn digital auf dem Handy und am besten einmal ausgedruckt dabei. Papier überzeugt lokale Polizisten oft eher als ein PDF auf einem gesprungenen Display.
  • Die Versicherung muss passen. Viele deutsche Privathaftpflichtversicherungen decken Drohnen ab, aber check das Kleingedruckte: Gilt das weltweit? Gilt das auch in den USA? Die Deckungssummen sind im Ausland oft anders vorgeschrieben. Eine Bestätigung auf Englisch („Certificate of Insurance“) ist Gold wert.

Aber – und das ist ein riesiges Aber – die No-Fly-Zones (Geozonen) regelt jedes Land selbst. In Deutschland nutzen wir Apps wie Droniq. In Österreich ist es wieder was anderes, in Portugal nutzt man die App der ANAC. Verlass dich nicht darauf, dass deine DJI-App dir sagt, wo du fliegen darfst. DJI geofencing ist ungenau. Nur die offiziellen Karten des Landes zählen.

Außerhalb der EU: Wild West oder Totalverbot?

Sobald du die EU verlässt, wird es wild. Hier musst du wirklich Hausaufgaben machen, sonst ist der Urlaub gelaufen. Ich habe Geschichten gehört von Leuten, deren Drohnen in Marokko oder Ägypten direkt am Zoll einkassiert wurden – und die haben sie nie wiedergesehen oder mussten bei der Ausreise stundenlang durch irgendwelche Lagerhallen irren.

Ein paar Beispiele aus der Realität:

  • USA: Eigentlich recht entspannt. Du musst aber den sogenannten „TRUST“ Test machen (The Recreational UAS Safety Test). Geht online, ist kostenlos, dauert 10 Minuten. Ohne Zertifikat ist Fliegen illegal. Registrierung bei der FAA ist nötig, wenn die Drohne über 249g wiegt (also Mini-Serie ist fein, Mavic braucht Registrierung).
  • Marokko, Ägypten, Kuba: Lass die Drohne zu Hause. Ernsthaft. Die Einfuhr ist oft streng verboten oder nur mit absurden militärischen Genehmigungen möglich. Das Risiko, am Zoll wegen Spionageverdacht befragt zu werden, brauche ich im Urlaub nicht.
  • Thailand: Ein Bürokratiemonster. Du musst dich bei der NBTC (Telko-Behörde) UND der CAAT (Luftfahrt) registrieren. Das dauert Monate. Wer einfach so fliegt und erwischt wird, zahlt heftige Strafen. Manche Touristen machen es trotzdem – ist halt russisches Roulette.

Der Zoll bei der Rückreise: Rechnung nicht vergessen!

Das hier haben viele nicht auf dem Schirm. Du kommst braungebrannt aus New York zurück, hast deine zwei Jahre alte DJI Mavic im Rucksack. Der deutsche Zollbeamte zieht dich raus: „Haben Sie die in den USA gekauft?“

Wenn du jetzt nicht beweisen kannst, dass du das Gerät schon in Deutschland besessen hast, kann es teuer werden (Einfuhrumsatzsteuer + Zoll). Ich habe deshalb immer eine Kopie der Kaufrechnung in meiner Dropbox oder als Foto auf dem Handy. Oder du machst vor der Abreise eine „Nämlichkeitsbescheinigung“ beim Zoll. Das ist ein Formular, wo der Zoll bestätigt: „Ja, dieses Gerät mit Seriennummer XYZ wurde hier ausgeführt.“ Kostet nichts, spart Nerven.

Sonne, Sand und Salzwasser

Technik und Strand vertragen sich schlecht. Besonders die Motoren sind anfällig.

Mir ist mal eine Mini 2 am Strand in Dänemark im Sand gelandet. Sah harmlos aus. Aber der Sand dort ist so fein und oft eisenhaltig (magnetisch!). Die Magneten in den Motoren ziehen diesen Staub an wie magisch. Wenn du den Motor dann startest, hörst du ein knirschendes Geräusch – das ist der Tod für die Lager. Nutze am Strand immer ein Landepad oder starte aus der Hand (Hand-Launch und Hand-Catch musst du aber üben, bevor du es über Klippen probierst!).

Ein anderes Problem sind ND-Filter. Wenn du im Süden bist, knallt die Sonne viel härter als im grauen Deutschland. Ohne ND-Filter (Neutral Density) kriegst du bei Videoaufnahmen keine vernünftige Bewegungsunschärfe (Motion Blur) hin, weil die Verschlusszeit extrem kurz wird. Das Bild wirkt dann ruckelig und stroboskopartig. Ein ND16 oder ND32 gehört in jedes Urlaubs-Kit, wenn du filmen willst.

Kleiner Knigge für den Urlaubspiloten

Seien wir ehrlich: Drohnen haben einen schlechten Ruf. Viele fühlen sich beobachtet oder vom Geräusch (dieses hohe Surren) genervt.

Im Urlaub bist du Gast. Benimm dich auch so.

  • Flieg nicht über volle Strände. Erstens verboten, zweitens asozial. Niemand will beim Sonnenbaden eine Kamera über sich haben.
  • Kulturstätten sind meist tabu. An der Akropolis oder dem Kolosseum brauchst du gar nicht erst auspacken. Das Signal wird dort oft sogar gestört (Jammer).
  • Die Tierwelt hat Vorrang. Wenn Möwen deine Drohne attackieren (passiert öfter als du denkst), steig sofort auf (Vögel können oft nicht so schnell steil steigen) und hau ab. Stress keine Tiere für ein Instagram-Foto.

Reisen mit Drohne ist genial. Die Perspektiven, die du mit nach Hause bringst, sind den Aufwand wert. Aber es ist eben kein Spielzeug, das man einfach in die Tasche wirft wie eine GoPro. Ein bisschen Planung beim Packen und ein Check der lokalen Gesetze beim ersten Espresso am Morgen – dann steht dem perfekten Shot nichts im Weg.