Hand aufs Herz: Wer vor fünf oder sechs Jahren in das Drohnen-Hobby eingestiegen ist und nicht direkt das Budget für eine DJI Phantom geschlachtet hat, landete fast zwangsläufig bei Hubsan. Ich weiß noch genau, wie mein erster Hubsan X4 wie eine wütende Hummel durch mein Wohnzimmer schoss und dabei fast die Yucca-Palme köpfte. Das war der Einstieg für viele von uns.

Aber die Zeiten ändern sich in der Technikwelt unfassbar schnell. Hubsan war lange Zeit der König der „Gut-und-Günstig“-Klasse. Sie brachten GPS und Brushless-Motoren zu Preisen, bei denen die Konkurrenz nur müde lächelte. Heute sieht der Markt anders aus. Die DJI Mini-Serie dominiert alles unter 250 Gramm, und Marken wie Potensic oder FIMI drängen nach.

Lohnt sich heute noch der Kauf einer Hubsan Zino? Ist der alte H501S noch ein zuverlässiges Arbeitstier oder nur noch Elektroschrott? Ich habe mir die Klassiker und die aktuellen Modelle nochmal genau angesehen – ohne Marketing-Blabla, sondern mit dem Blick eines Piloten, der schon mehr Propeller geschreddert hat, als er zugeben möchte.

Der Mythos Hubsan: Warum wir sie geliebt (und gehasst) haben

Hubsan hatte immer diesen speziellen Charme. Die Drohnen waren nie perfekt. Die Apps waren oft buggy, die Verbindung riss gerne mal ab, wenn man hinter einen Baum flog, und die Firmware-Updates waren ein Glücksspiel. Aber: Man bekam verdammt viel Drohne für wenig Geld.

Es gab da diese „Bastler-Mentalität“. Wer Hubsan flog, wusste, wie man einen Kompass kalibriert – und zwar tanzenderweise auf dem Acker, weil der sogenannte „Toilet Bowl Effect“ (wenn die Drohne anfängt, immer größer werdende Kreise zu ziehen) sonst den Flugtag ruinierte.

Der unverwüstliche Einstieg: Hubsan X4 (H107-Serie)

Wenn ihr noch einen alten X4 in der Schublade habt: Holt ihn raus. Ganz ehrlich, als reiner Trainer für die Flugphysik ist das kleine Ding immer noch Gold wert. Warum? Weil er keine Sensoren hat, die euch das Denken abnehmen. Kein GPS, das die Position hält. Kein optischer Fluss-Sensor.

Ihr steuert, ihr gleicht die Drift aus. Wer einen X4 im manuellen Modus sauber durch einen Türrahmen fliegen kann, kann im Grunde alles fliegen. Die neueren Modelle wie der X4 H107D+ hatten dann schon Höhenhaltung (Altitude Hold), was das Ganze etwas einfacher machte, aber den rohen Charme nahm.

Nachteile heute?

  • Die Motoren sind „Brushed“ (Bürstenmotoren). Die verschleißen. Nach 5-10 Flugstunden ist oft Schluss und man muss löten oder Motoren tauschen.
  • Die Akkus sind proprietär bei den neueren Modellen, und Ersatz ist schwer zu finden.
  • Kameraqualität ist aus heutiger Sicht unterirdisch – wir reden hier von verpixeltem 720p Brei.

Der einstige Preis-Leistungs-König: Hubsan H501S

Das war mein persönlicher Favorit für lange Zeit. Für um die 200 bis 250 Euro bekam man damals eine Drohne mit GPS, 1080p Kamera und Brushless Motoren. Das war eine Ansage. Der Controller (Modell FPV1 oder FPV2) sah zwar aus wie ein billiges Spielzeug aus einem Kaugummiautomaten und fraß AA-Batterien zum Frühstück, aber er hatte den Bildschirm eingebaut.

Kein Smartphone nötig. Akku rein, GPS locken lassen (was gerne mal 3 Minuten dauerte), und los. Die „Follow Me“ Funktion des H501S war überraschend solide, weil sie dem GPS-Signal der Fernbedienung folgte, nicht einer Bilderkennung.

Kaufen oder lassen?

Wenn ihr einen gebraucht für 50 Euro auf einem Flohmarkt findet: Kaufen, als robuste Übungsdrohne für den Acker (Versicherung nicht vergessen!). Neu kaufen? Auf keinen Fall. Die Technik ist veraltet, und für das Geld bekommt man heute stabilere Systeme.

Hubsan Zino: Der Angriff auf den Thron

Dann kam die Zino-Serie. Hubsan wollte bei den „Großen“ mitspielen und DJI direkt angreifen. 4K Kamera, 3-Achsen-Gimbal, faltbares Design. Auf dem Papier eine Wucht.

Die Realität sah ich bei meinen Tests leider etwas differenzierter. Ja, die Bildqualität der Zino Pro und später der Zino 2 war gut. Wirklich gut sogar, wenn das Licht stimmte. Aber das Drumherum war oft frustrierend.

  • Wenn du am Flugfeld stehst und die App sich zum dritten Mal nicht mit dem Controller verbindet, während dein Kumpel mit seiner DJI schon in der Luft ist, nervt das gewaltig.
  • Der Horizont kippte bei Kurvenflügen gerne schief weg (Tilted Horizon). Das lässt sich zwar in der Post-Production korrigieren, aber wer will das schon?
  • Die Reichweite war in Europa oft problematisch. Durch die CE-Richtlinien sendete die Zino hier mit weniger Leistung als in den USA, und das Videobild ruckelte oft schon nach 300 Metern.

Die Zino Mini Pro: Ein technisches Wunderkind mit Macken

Hubsan hat mit der Zino Mini Pro eigentlich etwas Unglaubliches geschafft: Hinderniserkennung vorne/hinten/unten in einer Drohne unter 250 Gramm. Das hatte DJI zu dem Zeitpunkt noch nicht mal bei der Mini 2. Aber wie so oft bei Hubsan: Die Hardware war top, die Software hinterher.

Ich habe Berichte von Nutzern, deren Hinderniserkennung Schatten als Wände interpretierte und vollbremste. Oder die beim Return-to-Home (RTH) seltsame Routen wählte. Es ist dieses Gefühl von „Nicht-ganz-fertig“, das Hubsan leider in den letzten Jahren begleitet hat.

Rechtliche Situation: Die wichtigste Hürde

Bevor ihr euch jetzt auf eBay Kleinanzeigen stürzt, müssen wir über die Regeln reden, die hier in Deutschland und der EU gelten. Das ist trocken, rettet euch aber vor saftigen Bußgeldern.

Die meisten älteren Hubsan-Modelle (wie der H501S oder die große Zino) wiegen über 250 Gramm, aber oft unter 500 oder 900 Gramm. Da es sich um Bestandsdrohnen ohne C-Klassifizierung handelt, rutschen diese oft in komplexe Kategorien.

Das bedeutet konkret:

  • Ihr braucht fast immer den kleinen EU-Drohnenführerschein (A1/A3). Ohne Kompetenznachweis geht da gar nichts legal in die Luft.
  • Ihr müsst euch beim LBA (Luftfahrt-Bundesamt) als Betreiber registrieren und eure e-ID auf die Drohne kleben. Ja, auch auf die kleine Spielzeugdrohne, wenn sie eine Kamera hat (was alle hier genannten haben).
  • Mit den schweren, alten Modellen landet ihr oft in der Kategorie A3. Das heißt: Fliegen nur weit weg von Menschen (mindestens 150m Abstand zu Wohngebieten, Gewerbe, Erholung). Mal eben im Garten fliegen ist mit einem alten H501S in der Wohnsiedlung rechtlich kaum machbar.

Die echten Alternativen heute: Was soll ich kaufen?

Seien wir ehrlich: Hubsan ist heute oft nur noch etwas für Liebhaber oder extreme Sparfüchse, die gebraucht kaufen. Wer einfach nur fliegen und filmen will, ohne vorher Foren nach Firmware-Hacks zu durchforsten, sollte sich woanders umsehen.

1. Der Platzhirsch: DJI Mini Serie

Es führt kaum ein Weg daran vorbei. Eine DJI Mini 2 SE oder die neuere Mini 4K kosten nicht die Welt, funktionieren aber einfach. Auspacken, App laden, fliegen. Die Verbindung über OcuSync (ab Mini 2) ist bombensicher. Und das Beste: Da sie unter 250g liegen, dürft ihr (Versicherung und Registrierung vorausgesetzt) auch näher an Wohngebieten fliegen (Kategorie A1).

2. Der Preis-Brecher: Potensic Atom (Nicht die SE!)

Wenn ihr das Hubsan-Feeling der „günstigen Alternative“ sucht, aber moderne Technik wollt, schaut euch die Potensic Atom an (die Version mit 3-Achsen-Gimbal). Ich war skeptisch, aber das Teil fliegt erstaunlich stabil, die App ist aufgeräumt und die Kamera macht für den Preis ordentliche 4K-Aufnahmen. Sie ist das, was die Zino Mini hätte sein sollen.

3. Für Xiaomi-Fans: FIMI X8 Mini

FIMI ist eine Xiaomi-Tochter und baut mit der X8 Mini V2 eine sehr potente Drohne unter 250g. Sie bietet Features, die manch teurere Drohne nicht hat, wie einen „SAR Mode“ (Search and Rescue) und eine sehr wetterfeste Bauweise. Die App ist allerdings geschmackssache und manchmal etwas… eigenwillig übersetzt.

Fazit: Ist Hubsan tot?

Nicht tot, aber meiner Meinung nach haben sie den Anschluss im Consumer-Bereich weitgehend verloren. Der Support ist oft schwer erreichbar (meist nur direkt über China), und die Ersatzteilversorgung in Deutschland ist lückenhaft geworden.

Ich denke gerne an meinen H501S zurück. Wir hatten gute Zeiten, besonders als er einmal in einem Maisfeld verschwand und ich ihn dank der Piep-Funktion des Controllers wiederfand. Aber wenn mich heute ein Einsteiger fragt: „Soll ich mir die Zino holen?“, dann ist meine Antwort meistens: „Spar noch 50 Euro und hol dir was Aktuelles.“

Das Fliegen soll Spaß machen, nicht in Fehlersuche ausarten. Drohnen sind heute Werkzeuge, keine Bastelobjekte mehr – zumindest nicht für den normalen Anwender, der am Sonntag schöne Luftaufnahmen vom Familienausflug machen will.

Bleibt sicher in der Luft und denkt immer an die Haftpflichtversicherung – ein Propeller im Lack des Nachbarautos wird nämlich teurer als jede Drohne.