Hand aufs Herz: Sie haben sich gerade Ihre erste Drohne gegönnt? Vielleicht eine DJI Mini, eine Air oder sogar etwas Größeres? Das Gefühl kenne ich nur zu gut. Der Karton ist offen, der Akku lädt, und man denkt, man wäre startklar für die Ewigkeit. Aber nach den ersten drei Flügen merkt man schnell: Irgendwas fehlt.
Ich betreibe Drohnen-einsteiger.de jetzt schon eine ganze Weile, und wenn ich eines gelernt habe, dann das: Die Drohne selbst ist oft nur die Eintrittskarte. Das, was den Unterschied zwischen „ganz netten Aufnahmen“ und „Wow, ist das Kino?“ macht – oder den Unterschied zwischen einem entspannten Flugtag und einem frustrierten Heimweg – ist das Zubehör. Und nein, ich rede hier nicht von unnötigem Schnickschnack, den man einmal benutzt und dann in der Schublade vergisst. Ich spreche von Ausrüstung, die ich selbst jedes Mal in meinen Rucksack packe, wenn ich raus aufs Feld gehe.
Lassen Sie uns mal Tacheles reden über das Zeug, das Sie wirklich brauchen, und den Marketing-Kram, den Sie sich sparen können.
Der „Fly More Combo“ Irrtum
Viele Einsteiger kaufen die sogenannten „Fly More Combos“ (oder wie auch immer der jeweilige Hersteller das Paket nennt) und denken, damit sei das Thema erledigt. Klar, zwei Zusatzakkus und eine rudimentäre Tasche sind ein guter Start. Absolut. Aber oft sind die beiliegenden Taschen so knapp bemessen, dass man Tetris spielen muss, um alles wieder reinzubekommen. Und wichtige Dinge wie ND-Filter fehlen meist komplett oder sind von fragwürdiger Qualität.
Betrachten Sie das Standard-Zubehörpaket als Basislager, nicht als Gipfel.
ND-Filter: Warum Ihr Video ohne sie „billig“ aussieht
Wenn mich Leute fragen, was das allerwichtigste Zubehörteil ist, erwarten sie meistens „mehr Akkus“. Meine Antwort ist aber fast immer: Ein ordentliches Set ND-Filter.
Warum? Nun, haben Sie sich mal gefragt, warum Ihre Drohnenvideos bei hellem Sonnenlicht irgendwie „staccato-artig“ oder nervös wirken, während Hollywood-Filme diese weichen, fließenden Bewegungen haben? Das liegt an der Verschlusszeit.
Es gibt da eine goldene Regel beim Filmen, die sogenannte 180-Grad-Shutter-Regel. Vereinfacht gesagt: Wenn Sie mit 30 Bildern pro Sekunde filmen (was bei Drohnen Standard ist), sollte Ihre Verschlusszeit bei 1/60 Sekunde liegen. Das sorgt für eine natürliche Bewegungsunschärfe.
Das Problem: An einem sonnigen Mittag ist es viel zu hell für 1/60 Sekunde. Die Kamera der Drohne würde ohne Hilfe einfach nur ein weißes Bild produzieren. Ohne Filter schraubt die Automatik die Verschlusszeit auf 1/1000 oder noch höher. Das Ergebnis? Jedes einzelne Frame ist gestochen scharf, keine Bewegungsunschärfe. Das Video wirkt abgehackt und unruhig.
Hier kommen die ND-Filter (Neutral Density) ins Spiel. Das sind quasi Sonnenbrillen für Ihre Drohne.
Welche Stärken braucht man wirklich?
Lassen Sie sich keine Sets mit 12 verschiedenen Filtern andrehen. In der Praxis – und ich fliege wirklich oft – nutze ich eigentlich nur drei Varianten:
- An diesen typischen, leicht bewölkten Tagen, wo die Sonne immer mal durchkommt, ist ein ND16 mein Standard. Er nimmt genug Licht weg, um die Verschlusszeit zu zähmen, ohne das Bild bei Wolken zu dunkel zu machen.
- Wenn wir Hochsommer haben, keine Wolke am Himmel und die Sonne knallt, dann muss der ND64 drauf. Ohne den brauche ich gar nicht erst abzuheben, wenn ich filmen will.
- Der ND32 ist so der Mittelweg, den ich oft morgens nutze, wenn die Sonne schon Kraft hat, aber noch nicht im Zenit steht.
Ein kleiner Tipp aus leidvoller Erfahrung: Sparen Sie nicht am Glas. Ich hatte mal ein günstiges Set für meine alte Xiaomi Drohne, das hat mir in den Ecken einen furchtbaren Farbstich ins Bild gezaubert. Marken wie Freewell oder PolarPro kosten zwar etwas mehr, aber Sie ruinieren sich damit nicht das Footage, für das Sie extra früh aufgestanden sind.
Transport: Rucksack vs. Hardcase
Das ist fast schon eine philosophische Frage unter Piloten. Ich habe beides ausprobiert und habe eine klare Meinung dazu, je nachdem, was Sie vorhaben.
Das Hardcase: Der Tresor
Ich besitze einen Hartschalenkoffer für meine größere Drohne. Das Ding ist super, wenn ich mit dem Auto direkt zur Location fahre. Man macht den Deckel auf, alles hat seinen festen Platz im Schaumstoff, nichts wackelt. Wenn es anfängt zu regnen oder der Koffer mal im Matsch landet – völlig egal. Abwischen, fertig.
Aber: Haben Sie schon mal versucht, mit so einem Koffer wandern zu gehen? Es ist der Horror. Man hat eine Hand belegt, der Koffer schlägt ständig gegen das Bein, und man sieht aus, als würde man Organe transportieren, nicht eine Kamera-Drohne.
Der Rucksack: Freiheit
Für die meisten Einsteiger und Hobby-Piloten empfehle ich dringend einen guten Rucksack. Aber bitte keinen normalen Schulrucksack, wo alles drin rumfliegt. Es gibt spezielle Drohnen-Rucksäcke (z.B. von Lowepro oder Manfrotto), die Fächer für Controller, Drohne und Akkus haben.
Warum ich Rucksäcke vorziehe? Diskretion. Wenn Sie mit einem riesigen „DJI“-Branding auf einem Koffer herumlaufen, ziehen Sie Blicke auf sich. Manche davon sind neugierig, manche kritisch. Ein Rucksack sieht aus wie… nun ja, ein Rucksack. Man kommt entspannter an Orte, kann auch mal ein paar Kilometer laufen, um den perfekten Startplatz zu finden, und hat die Hände frei.
Das unterschätzte Landepad
Kommen wir zu dem Zubehörteil, über das sich Anfänger oft lustig machen. „Wozu brauche ich so einen orangen Hubschrauberlandeplatz aus Stoff? Ich kann doch auf dem Boden landen!“
Ja, können Sie. Und ich sage Ihnen, was dann passiert.
Die meisten modernen Drohnen sind Bodensauger. Wenn die Propeller anlaufen, erzeugen sie einen starken Abwind (Downwash). Starten Sie auf einem Feldweg? Glückwunsch, Sie haben gerade Sand und Staub direkt in die Motoren und – noch schlimmer – in die Mechanik des Gimbals geblasen. Starten Sie auf einer Wiese? Wenn das Gras auch nur ein paar Zentimeter hoch ist, verheddern sich die Propeller beim Start, oder der feuchte Rasen beschlägt Ihnen von unten die Sensoren.
Ich habe mir einmal an der Ostsee fast eine Drohne ruiniert, weil beim Start Sand ins Getriebe des Gimbals gekommen ist. Es hat wochenlang geknirscht.
Ein faltbares Landepad kostet vielleicht 15 bis 20 Euro. Es lässt sich klein zusammenfalten. Werfen Sie es auf das hohe Gras, und Sie haben eine ebene, saubere Fläche. Außerdem hilft der hohe Kontrast (meistens Orange auf einer Seite, Blau auf der anderen) den optischen Sensoren der Drohne enorm bei der präzisen Landung. Die „Return-to-Home“-Funktion ist mit einem Pad oft auf den Zentimeter genau, weil die Kamera das Muster beim Start speichert.
Speicherkarten: Der Flaschenhals
Hier wird oft am falschen Ende gespart. Sie kaufen eine Drohne, die 4K mit 60 Bildern pro Sekunde und 100 MBit/s Datenrate aufnimmt, und stecken dann die alte MicroSD-Karte aus dem Smartphone von 2018 rein.
Das Ergebnis: Die Aufnahme bricht einfach ab, oder Sie bekommen eine Fehlermeldung „Card Slow“. Oder noch schlimmer: Die Datei ist korrupt und lässt sich nicht öffnen.
Achten Sie nicht nur auf die Größe (GB), sondern auf die Schreibgeschwindigkeit. Ein „U3“ oder „V30“ Symbol auf der Karte ist Pflicht für 4K-Aufnahmen. Ich persönlich setze seit Jahren auf die SanDisk Extreme oder Extreme Pro Serie oder die Samsung EVO Plus. Aber Vorsicht vor Fälschungen auf Marktplätzen – kaufen Sie Speicherkarten immer bei vertrauenswürdigen Händlern. Nichts ist ärgerlicher als der „Karte voll“-Fehler, obwohl eigentlich noch 50 GB frei sein sollten.
Gesetzlich notwendiges Zubehör (Deutschland & EU)
Da wir uns bei Drohnen-einsteiger.de intensiv mit der Gesetzeslage beschäftigen, darf dieser Punkt nicht fehlen. Es geht hier nicht um „Nice to have“, sondern um „Must have“, wenn Sie keine Bußgelder riskieren wollen.
Seit der EU-Drohnenverordnung müssen Sie Ihre e-ID (Betreiber-Identifikationsnummer) sichtbar an der Drohne anbringen. Früher musste das eine feuerfeste Plakette aus Aluminium sein. Das ist heute zwar nicht mehr zwingend vorgeschrieben (ein Aufkleber reicht oft, je nach Drohnenklasse und Ort), aber ich empfehle es trotzdem noch.
Warum? Erstens sieht es professioneller aus. Zweitens, wenn Ihre Drohne mal wirklich abhaut und irgendwo (hoffentlich ohne Schaden) runterkommt, überlebt eine gravierte Alu-Plakette auch Regen oder einen Akku-Brand eher als ein Papieraufkleber. Es gibt sehr kleine Nano-Plaketten, die selbst auf eine Mini-Drohne passen, ohne die Flugeigenschaften oder das GPS zu stören. Kleben Sie sie nicht auf den Akku (den wechseln Sie ja), sondern auf den Rumpf/Body.
Kleinkram, der Nerven schont
Zum Abschluss noch ein paar Dinge aus meiner „Kiste der nützlichen Dinge“:
- Powerbank: Nicht für die Drohnenakkus (das dauert zu lange), sondern für den Controller oder das Smartphone. Nichts ist blöder, als wenn die Drohne noch 2 Akkus voll hat, aber das Display (Handy) den Geist aufgibt.
- Propeller-Halter: Bei manchen Drohnen schlackern die Propeller beim Transport wild herum. Für ein paar Euro gibt es Silikon-Bänder, die sie fixieren. Das schützt davor, dass sie im Rucksack verbiegen. Verborgene Haarrisse in Propellern sind übrigens eine der häufigsten Absturzursachen!
- Sonnenblende fürs Handy: Wenn die Sonne scheint (was wir ja wollen), sieht man auf dem Display oft gar nichts mehr. Eine kleine Falt-Blende hilft enorm, um die Belichtung korrekt zu beurteilen.
Fazit
Lassen Sie sich nicht verrückt machen. Sie müssen nicht am ersten Tag 500 Euro für Zubehör ausgeben. Starten Sie mit der Drohne. Aber wenn ich eine Prioritätenliste erstellen müsste, basierend auf hunderten Flugstunden, sähe sie so aus:
Nummer 1: Die e-ID Plakette (wegen Gesetz).
Nummer 2: Eine schnelle Speicherkarte (V30).
Nummer 3: ND-Filter (für den Film-Look).
Nummer 4: Ein Landepad (zum Schutz der Technik).
Alles andere kommt mit der Zeit. Viel Spaß beim Fliegen und immer schön auf Sicht bleiben!