Kennt ihr das Gefühl? Ihr steht auf dem Feld, die Drohne surrt leise in der Luft, das Bild auf dem Smartphone sieht absolut gigantisch aus. Die Sonne knallt, der Himmel ist blau. Ihr landet, packt alles ein, fahrt nach Hause. Und dann, am großen Monitor: Ernüchterung.
Alles wirkt irgendwie flach. Die Schatten sind schwarze Löcher, der Himmel ist ausgebranntes Weiß, und die „epische Landschaft“ sieht aus wie ein Google Maps Screenshot. Willkommen im Club. Das ging mir am Anfang mit meiner ersten Phantom genau so. Drohnen-Fotografie ist technisch gesehen erst mal einfach – Knopf drücken, Bild im Kasten. Aber gute Luftaufnahmen zu machen, die nicht bloß dokumentieren, dass ihr halt ’ne Drohne habt, das ist eine ganz andere Nummer.
Ich fliege jetzt seit Jahren alles Mögliche, von den kleinen DJI Minis bis zur Mavic 3 Welt, und ehrlich gesagt: Die Kamera ist oft schlauer als wir, aber sie hat keinen Geschmack. Wenn ihr den Automatik-Modus machen lasst, was er will, bekommt ihr Durchschnittskost. Hier gehen wir mal ans Eingemachte – weg von den Standard-Tipps, hin zu dem Zeug, das in der Praxis wirklich zählt.
Der Anfängerfehler Nr. 1: Immer nur maximale Höhe
Es ist verlockend. Das Ding kann 120 Meter hoch (laut aktueller EU-Verordnung ist da ja Schluss), also fliegt man auch 120 Meter hoch. Übersicht ist alles, oder? Falsch.
Wenn ihr mit der Kamera so weit oben seid, bügelt ihr die Landschaft platt. Alles verliert an Tiefe. Berge werden zu Hügeln, Bäume zu grünen Punkten. Die wirkliche Magie passiert oft zwischen 10 und 50 Metern. Das nennt man Vordergrundbezug. Ohne Vordergrund keine Tiefe. Punkt.
- Versucht mal, knapp über Baumwipfeln zu schweben, anstatt weit drüber. Das gibt dem Betrachter ein Gefühl für die Dimensionen.
- Wenn ihr ein Gebäude fotografiert (natürlich mit Erlaubnis und nicht in Wohngebieten, ihr kennt die Regeln), geht nicht auf Dachhöhe. Geht auf halbe Höhe. Das wirkt meistens viel imposanter.
- Texturen am Boden – egal ob Ackerfurchen, Wellen am Strand oder Risse im Asphalt – lösen sich auf, je höher ihr geht. Weiter unten werden sie zu spannenden Mustern.
Ich hab neulich an einem See gestanden und bin fast im Wasser gelandet (keine gute Idee, die Sensoren mögen Spiegelungen nicht), aber das Bild aus 2 Metern Höhe mit dem Schilf im Vordergrund war hundertmal stärker als der platte Weitwinkel aus 100 Metern.
Licht: Warum Mittagssonne euer Feind ist
Klar, wir wollen blauen Himmel. Aber fliegt mal im Hochsommer um 13 Uhr. Das Licht kommt direkt von oben. Was passiert? Eure Drohne wirft vielleicht sogar einen Schatten ins eigene Bild (bei Weitwinkel gar nicht so selten), aber schlimmer: Die Landschaft hat keine Kontur mehr. Alles wirkt hart, kontrastreich und irgendwie tot.
Die Drohnen-Kameras, gerade die mit den kleineren Sensoren wie in der Mini-Serie, haben nicht den Dynamikumfang einer 4000-Euro-DSLR. Die kommen mit extremen Kontrasten schlecht klar. Entweder der Himmel ist weiß, oder der Wald ist schwarz.
Die goldene Stunde ist kein Mythos, sie ist eure Lebensversicherung für gute Bilder. Kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang fallen die Schatten lang. Lange Schatten bedeuten Textur. Plötzlich sieht das Rapsfeld nicht aus wie eine gelbe gelbe Fläche, sondern wie ein Teppich mit Struktur. Außerdem ist das Licht weicher. Ihr müsst weniger in der Nachbearbeitung retten.
Und wenn es bewölkt ist?
Lustigerweise bleiben viele Piloten bei Wolken zu Hause. Riesenfehler. Ein bedeckter Himmel ist wie eine riesige Softbox im Studio. Das Licht ist wahnsinnig weich. Gerade für Wälder, Wasserfälle oder Lost Places (legal betreten!) ist das oft besser als pralle Sonne. Die Farben knallen mehr, wenn kein hartes Sonnenlicht sie auswäscht.
Weg vom Automatik-Modus: Einstellungen, die ihr kennen müsst
Wenn ihr die DJI Fly App (oder was auch immer ihr nutzt) aufmacht, steht da meistens alles auf „Auto“. Klickt das weg. Sofort. Hier ist warum:
1. ISO ist heilig
Haltet den ISO-Wert so niedrig wie möglich. Meistens ist das ISO 100. Drohnensensoren sind winzig (außer ihr fliegt eine Mavic 3 Pro mit dem 4/3 Sensor, aber selbst da gilt das). Sobald ihr auf ISO 400 oder 800 hochgeht, fängt es an zu rauschen. In der Dämmerung ist das verlockend, aber das Bild wird matschig. Lieber längere Belichtungszeit riskieren, solange der Wind nicht zu stark ist.
2. Shutter Speed (Belichtungszeit)
Für Fotos nicht ganz so kritisch wie für Video, aber wichtig für die Schärfe. Wenn ihr schnell fliegt und ein Foto macht, braucht ihr eine kurze Verschlusszeit (z.B. 1/500 oder 1/1000), sonst verwischt die Landschaft. Ich parke die Drohne für ein Foto immer komplett in der Luft. Stick loslassen, zwei Sekunden warten, bis sie steht, dann abdrücken. Dann könnt ihr auch mal mit 1/60 oder 1/30 knipsen, wenn das Licht schwach ist – die modernen Gimbals halten das unfassbar stabil.
3. RAW (DNG) vs. JPEG
Das ist der wichtigste technische Tipp in diesem ganzen Text. Wenn ihr nur JPEGs speichert, verschenkt ihr 50% der Bildqualität. Ein JPEG ist ein fertig gebackener Kuchen. Da könnt ihr nicht mehr viel ändern. Ein RAW-Format (bei Drohnen meist DNG) sind die rohen Zutaten.
Beispiel: Ihr fotografiert gegen die Sonne. Im JPEG ist der Vordergrund schwarz. Reht ihr im Bildbearbeitungsprogramm den Regler hoch, wird es nur graue Matsche mit bunten Pixel-Fehlern. Bei einer RAW-Datei zieht ihr den Schatten-Regler hoch und zack – da sind Bäume, Gräser, Details, die vorher unsichtbar waren. Stellt in den Einstellungen „J+R“ (JPEG + RAW) ein. Das JPEG fürs schnelle Verschicken auf WhatsApp, das RAW für die echte Arbeit am PC.
Komposition: Der „God View“ und Führungslinien
Die Perspektive „Kamera senkrecht nach unten“ (Nadir-Shot oder Top-Down) ist ein Klassiker der Drohnenfotografie. Warum? Weil wir die Welt so nie sehen. Das abstrahiert die Realität.
Aber Vorsicht: Nicht alles sieht von oben gut aus. Ein Wald von oben ist oft nur grünes Brokkoli-Chaos. Sucht nach Symmetrie und Mustern:
- Straßen, die sich durch einen dunklen Wald schlängeln (der Kontrast zwischen grauem Asphalt und grünen Bäumen wirkt super).
- Kühlwasser in Mustern auf dem Wasser.
- Kreisverkehre, Sportplätze, Sonnenschirme am Strand. Geometrie ist euer Freund.
Sucht nach Führungslinien. Ein Fluss, der von der unteren linken Ecke diagonal ins Bild läuft, zieht das Auge des Betrachters förmlich ins Foto hinein. Wenn ihr einfach nur eine Landschaft knipst, wo nichts das Auge führt, weiß der Betrachter nicht, wo er hinschauen soll. Das Bild wirkt „unruhig“.
Das Gitter einblenden
In fast jeder App könnt ihr Gittterlinien (Grid) einblenden. Macht das an. Die „Drittel-Regel“ ist zwar kein Gesetz, an das man sich sklavisch halten muss, aber es hilft ungemein, den Horizont gerade zu halten. Es gibt nichts Schlimmeres als einen See, der rechts aus dem Bild läuft. Klar, kann man croppen, aber das kostet Auflösung.
Filter: Die Sonnenbrille für die Drohne
Lest ihr oft, dass ihr ND-Filter (Neutral Density) braucht? Kurze Antwort: Für Fotos nicht zwingend, für Videos absolut ja. Aber: Ein Pol-Filter (CPL) kann für Fotografen Gold wert sein.
Ein CPL-Filter nimmt Spiegelungen weg. Stellt euch vor, ihr fliegt über einen See. Ohne Filter seht ihr nur den Himmel, der sich im Wasser spiegelt. Mit Pol-Filter guckt ihr plötzlich durch die Wasseroberfläche auf den Grund, seht Steine oder Fische. Zudem macht er den Himmel blauer und die Wolken knackiger. Das kriegt man auch mit Photoshop schwer so hin. Aber Achtung: Je nach Winkel zur Sonne muss man den Filter drehen. In der Luft ist das schwierig, also am Boden checken, wo die Sonne steht und einstellen.
Der Faktor Sicherheit & Recht (Keine Panik, aber wichtig)
Wir können auf Drohnen-einsteiger.de nicht über Fotografie reden, ohne kurz ernst zu werden. Wenn ihr nach dem perfekten Shot jagt, vergisst man schnell mal die Umgebung.
Ich hatte mal die Situation, dass ich eine Burgruine filmen wollte. Super Motiv. Ich war so auf den Bildschirm fixiert, dass ich nicht gemerkt habe, wie ein Rettungshubschrauber in das Tal einflog. Ich hab ihn gehört, bevor ich ihn gesehen habe, und die Drohne sofort runtergerissen (im Sport-Modus gen Boden). Alles gut gegangen, aber mir hat das Herz bis zum Hals geschlagen.
Haltet immer Sichtkontakt. Nicht nur, weil es Gesetz ist, sondern weil ihr auf dem kleinen Display Stromleitungen und dünne Äste oft gar nicht seht. Die Hinderniserkennung rettet euch vor einer Wand, aber nicht vor einem dünnen Draht.
Und Thema Privatsphäre: Nur weil ihr technisch in den Garten des Nachbarn zoomen könnt, ist das eine richtig miese Idee. Nicht nur rechtlich riskant, sondern es versaut den Ruf von uns allen. Wenn ihr Menschen fotografiert, fragt sie. Die meisten finden Drohnen cool, wenn man offen damit umgeht. Wenn man sich wie ein Spion im Gebüsch versteckt, rufen sie die Polizei.
AEB: Das Geheimnis für knackige Kontraste
Zurück zur Technik. Wenn ihr eine Situation mit extremem Licht habt (Sonnenuntergang: Himmel hell, Boden dunkel), nutzt die AEB-Funktion (Auto Exposure Bracketing).
Dabei macht die Drohne statt einem Bild gleich drei oder fünf in schneller Serie. Eins normal belichtet, eins zu dunkel (unterbelichtet), eins zu hell (überbelichtet). Zu Hause am Rechner werft ihr die drei Bilder in Lightroom oder ein anderes Programm und lasst sie zu einem HDR (High Dynamic Range) verrechnen.
Das hat nichts mit diesen gruseligen, überzogenen HDR-Bildern von vor 10 Jahren zu tun, die aussahen wie ein LSD-Trip. Ein gutes, natürliches HDR holt euch einfach nur die Zeichnung im Himmel zurück, die sonst weiß wäre, und hellt die Schatten auf, ohne dass es rauscht. Für Landschaftsaufnahmen ist das mein Standard-Modus. Speicherplatz kostet ja nix mehr.
Nachbearbeitung: Wo das Bild eigentlich entsteht
Viele Anfänger denken, das Foto ist fertig, wenn die Drohne landet. Falsch. Da fängt es erst an. Ein RAW-Bild sieht „out of cam“ oft flau und langweilig aus. Das muss so sein, damit alle Informationen erhalten bleiben.
Ihr braucht keine teure Abo-Software. Es gibt kostenlose Tools wie Darktable, die fast genau so mächtig sind. Spielt mit zwei Reglern zuerst:
- Lichter runter (Highlights): Holt Details in den Wolken zurück.
- Tiefen hoch (Shadows): Macht dunkle Wälder sichtbar.
Aber übertreibt es nicht mit dem „Sättigung“-Regler. Wenn das Gras neongrün leuchtet, sieht jeder sofort, dass es Fake ist. Weniger ist mehr. Versucht lieber, über den Weißabgleich (Wärme) die Stimmung des Bildes zu steuern. Ein bisschen wärmer wirkt oft freundlicher bei Sonnenuntergängen, etwas kühler passt gut zu Stadt-Aufnahmen oder Schnee.
Fazit: Fliegen, fliegen, fliegen
Ihr könnt euch die teuerste Mavic oder Autel kaufen, aber wenn ihr sie nur dreimal im Jahr rausholt, werden die Bilder nicht besser. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, wie die Welt von oben aussieht, bevor man abhebt. Irgendwann entwickelt ihr den „Drohnen-Blick“ und seht schon beim Spaziergang am Boden: „Ah, diese Baumreihe würde aus 30 Metern Höhe als Diagonale super funktionieren.“
Also, packt die Akkus voll, checkt die Flight-Map auf Flugverbotszonen und geht raus. Und wenn das erste Bild Mist ist? Egal. Löschen, Akku wechseln, nochmal probieren.