Mal ehrlich: Als die EU vor ein paar Jahren die neuen Drohnenverordnungen auf den Tisch geknallt hat, haben wir uns alle erstmal am Kopf gekratzt. C0, C1, A1/A3, Fernpiloten-Zeugnis… bitte was? Früher kaufte man sich eine Phantom, ging aufs Feld und hatte Spaß. Heute fühlt es sich manchmal an, als bräuchte man ein Jurastudium, nur um eine Runde durch den Garten zu fliegen.
Ich bekomme ständig Mails von Leuten, die einfach nur wissen wollen: „Was brauche ich, um meine neue Mini 4 Pro fliegen zu dürfen?“ oder „Darf ich meine alte Mavic noch benutzen ohne verhaftet zu werden?“
Vergessen Sie für einen Moment das Amtsdeutsch. Ich drösele das hier mal so auf, wie ich es einem Kumpel beim Grillen erklären würde. Kein unnötiges Paragraphen-Geschwurbel, sondern Tacheles.
Die magische 250-Gramm-Grenze (Oder: Warum DJI so clever ist)
Wenn Sie noch gar keine Drohne gekauft haben und absolut keine Lust auf Prüfungen oder Lernen haben, gibt es einen einfachen Ausweg: Bleiben Sie unter 250 Gramm Abfluggewicht.
Das ist der „Sweet Spot“, den Hersteller wie DJI mit der Mini-Serie (Mini 2, Mini 3, Mini 4 Pro) gnadenlos gut besetzen. Warum? Weil diese Winzlinge in der sogenannten Klasse C0 (oder als Bestandsdrohne unter 250g) extrem viele Freiheiten genießen.
Hier ist der Deal bei unter 250g:
- Sie brauchen keinen Führerschein. Weder den kleinen noch den großen. Null.
- Sie dürfen theoretisch sogar über unbeteiligten Personen fliegen (nicht über Menschenansammlungen, das ist immer tabu, aber mal kurz über Spaziergänger im Park ist rechtlich kein Weltuntergang, wenn auch nicht höflich).
- Die Registrierung als Betreiber ist trotzdem Pflicht. Sobald eine Kamera dran ist – was bei 99% der Fall sein dürfte – müssen Sie sich beim Luftfahrt-Bundesamt (LBA) registrieren und Ihre e-ID auf die Drohne kleben.
Ich sage es immer wieder: Für Einsteiger ist das der Weg des geringsten Widerstands. Packen Sie das Ding aus, kleben Sie die ID drauf, versichern Sie es (wichtig!) und los geht’s.
Der „kleine“ Drohnenführerschein: EU-Kompetenznachweis A1/A3
Sobald Ihr Fluggerät aber schwerer wird – sagen wir, Sie liebäugeln mit einer DJI Air 3 oder einer älteren Mavic Pro – kommen Sie um diesen Nachweis nicht herum. Das Ding heißt offiziell „EU-Kompetenznachweis“, wird aber im Volksmund der „kleine Drohnenführerschein“ genannt.
Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Das ist kein Hexenwerk. Ich hab den Test damals an einem verregneten Sonntagvormittag gemacht und war in 45 Minuten durch.
Was darf ich damit?
Der Schein deckt zwei Szenarien ab, die absurderweise kombiniert geprüft werden, obwohl sie völlig unterschiedlich sind:
- In der Kategorie A1 dürfen Sie mit Drohnen bis 900g (Klasse C1) auch in Wohngebieten und näher an Menschen fliegen. Das ist der eigentliche Joker dieses Scheins. Sie können Ihre Air 3 also relativ flexibel nutzen.
- Rutschen Sie in die Kategorie A3, wird es einsam. Das gilt meist für schwerere Geräte (bis 25kg) oder ältere Bestandsdrohnen über 250g, die kein C-Label haben. Hier müssen Sie weit weg von allem: Mindestens 150 Meter Abstand zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- oder Erholungsgebieten. Im Grunde stehen Sie damit auf dem Kartoffelacker.
Wie läuft die Prüfung ab?
Das Ganze passiert online beim LBA. Sie müssen sich durch ein paar Schulungsmaterialien klicken – Luftrecht, Privatsphäre, Wetterkunde. Klingt trocken, ist aber machbar. Danach kommen 40 Multiple-Choice-Fragen. Wenn Sie 75% richtig haben, gehört der Schein Ihnen. Kostenpunkt? Lächerliche 25 Euro. Ganz ehrlich, es gibt keinen Grund, das nicht zu machen, wenn man das Hobby auch nur halbwegs ernst nimmt.
Der „große“ Schein: EU-Fernpiloten-Zeugnis A2
Jetzt wird es komplizierter. Das A2-Zeugnis ist für die Piloten gedacht, die „dickere Dinger“ (Drohnen der Klasse C2, bis 4kg) näher an Menschen heranfliegen wollen.
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Während man den A1/A3-Schein mal eben so nebenbei macht, erfordert A2 mehr Einsatz. Sie brauchen erst den A1/A3 als Basis. Dann müssen Sie ein praktisches Selbststudium absolvieren (ja, Sie müssen draußen üben und das schriftlich bestätigen) und schließlich eine weitere Theorieprüfung ablegen. Und die findet nicht bequem auf der LBA-Website statt, sondern bei zertifizierten Prüfstellen, oft per Videoüberwachung oder vor Ort.
Die Frage ist: Brauchen Sie das wirklich?
Schauen wir uns mal die Praxis an. Die meisten modernen Drohnen fallen entweder in C0 (unter 250g) oder C1 (unter 900g). Für beide reicht der kleine Schein oder gar kein Schein völlig aus, um nah an Dinge ranzufliegen.
Der A2-Schein lohnt sich eigentlich nur, wenn Sie eine Drohne der Klasse C2 besitzen (wie die DJI Mavic 3 Classic oder Pro) und damit bis auf 30 Meter (bzw. 5 Meter im Low-Speed-Modus) an unbeteiligte Personen heranwollen. Ohne den A2-Schein würden Sie mit so einem C2-Gerät direkt in die A3-Kategorie rutschen – also ab auf den Acker, 150 Meter weg von der Zivilisation.
Mein Rat: Wenn Sie Immobilienmakler sind oder beruflich Inspektionen mit einer Mavic 3 machen, holen Sie sich den A2. Für den reinen Hobbyflieger, der nur Urlaubsfotos macht, ist das oft rausgeschmissenes Geld und Zeitstress.
Das Drama mit den „Bestandsdrohnen“ (Alte Modelle ohne C-Label)
Das ist der Punkt, an dem viele meiner Leser verzweifeln. Sie haben eine technologisch einwandfreie DJI Mavic 2 Pro oder eine Phantom 4 im Schrank. Top Kameras, fliegt super. Aber: Sie haben kein C-Label (C0-C4).
Seit dem 01.01.2024 ist die Übergangsfrist vorbei. Das bedeutet für diese Geräte:
- Wiegt das alte Schätzchen unter 250g (z.B. die allererste DJI Mavic Mini), haben Sie Glück. Sie werden behandelt wie C0. Fliegen Sie einfach, Registrierung nicht vergessen.
- Wiegt die Drohne 250g oder mehr (und das tun fast alle älteren Modelle, von der Spark bis zur Phantom), fallen Sie gnadenlos in die Kategorie A3.
Das tut weh. Das bedeutet nämlich, dass Sie mit Ihrer alten Mavic Air oder Mavic 2 Pro legal fast nirgendwo mehr in Stadtnähe fliegen dürfen. Die 150-Meter-Abstandsregel zu Wohngebieten macht den Einsatz im eigenen Garten oder im Park quasi unmöglich, es sei denn, Sie wohnen sehr, sehr ländlich.
Ich habe deswegen schweren Herzens meine alte Phantom in Rente geschickt. Es macht einfach keinen Spaß, immer erst kilometerweit rausfahren zu müssen, nur um legal abzuheben.
Haftpflichtversicherung: Der oft vergessene Elefant im Raum
Egal ob Sie A1, A3, A2 oder gar keinen Schein haben – eine Sache ist in Deutschland absolut unumgänglich: Die Versicherung.
Sparen Sie sich den Gedanken „Ach, die ist so klein, da passiert schon nichts“. Das Gesetz unterscheidet hier nicht zwischen 200 Gramm und 20 Kilo. Eine Drohnen-Haftpflicht ist Pflicht. Prüfen Sie unbedingt Ihre private Haftpflichtversicherung. Viele neue Tarife haben Drohnen mittlerweile inkludiert, aber oft nur bis zu bestimmten Gewichten oder ohne Kaskoschutz.
Ich hatte mal einen Fall im Bekanntenkreis, da ist die Drohne wegen eines Propellerbruchs (Wartung nicht vernachlässigen, Leute!) auf geparkte Autos gesegelt. Ohne Versicherung wären das schnell 4.000 Euro Schaden aus der eigenen Tasche gewesen. Eine spezielle Drohnenversicherung kostet oft nur 30-50 Euro im Jahr. Das Risiko, ohne zu fliegen, ist einfach dumm.
Welcher Schein für welches Szenario? (Klartext-Edition)
Damit Sie nicht scrollen müssen, hier meine persönliche Einschätzung für typische Pilotentypen:
- Der Urlaubsfilmer (ganz entspannt): Kaufen Sie sich eine Drohne unter 250g mit C0-Label (z.B. DJI Mini 4 Pro). Kein Führerschein-Stress, minimale Regeln, maximale Freiheit im Rucksack. Registrieren, Plakette drauf, fertig.
- Der Ambitionierte (bessere Kamera, mehr Windstabilität): Sie wollen z.B. eine Mavic 3 oder Air 3. Hier brauchen Sie zwingend den A1/A3 Kompetenznachweis. Mit der Air 3 (C1) sind Sie dann auch in der Stadt fein raus. Mit der Mavic 3 (C2) brauchen Sie zusätzlich den A2-Schein, sonst landen Sie auf dem Acker.
- Der Besitzer von „Altmetall“: Wenn Sie noch eine Phantom oder Mavic 1/2 haben, machen Sie den A1/A3 Schein. Aber stellen Sie sich darauf ein, dass Sie diese Drohnen nur noch weit draußen in der Natur legal bewegen können. Für Städtetrips sind die Dinger rechtlich „tot“.
Fazit
Die Bürokratie wirkt auf den ersten Blick wie ein Monster, aber sie ist zähmbar. Für 90% der Hobby-Piloten da draußen lautet die Formel heute: Entweder unter 250g bleiben oder den kleinen A1/A3-Schein online für 25 Euro machen und eine C1-Drohne fliegen.
Lassen Sie sich den Spaß am Fliegen nicht verderben. Sobald man einmal verstanden hat, in welche Schublade die eigene Drohne gehört, fliegt es sich auch viel entspannter – weil man nicht bei jedem Polizeiwagen, der am Feldweg vorbeifährt, nervös zucken muss.