Drohnen-Versicherungspflicht in Deutschland: Ein Überblick

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Hand aufs Herz: Niemand, wirklich niemand kauft sich eine Drohne, weil er total heiß darauf ist, Versicherungspolicen zu wälzen. Wir wollen fliegen. Wir wollen diese kinoreifen Aufnahmen im Kasten haben, den DJI Controller in die Hand nehmen und sehen, wie der Kopter im Sonnenuntergang verschwindet (und hoffentlich per Return-to-Home auch wiederkommt).

Aber hier ist die harte Realität, die mir vor ein paar Jahren fast selbst auf die Füße gefallen wäre: In Deutschland ist der Luftraum kein rechtsfreier Spielplatz. Wer ohne den passenden „Lappen“ – sprich Versicherungsschutz – startet, riskiert nicht nur ein Bußgeld, das den Wert einer Mavic 3 locker übersteigt, sondern im schlimmsten Fall die eigene finanzielle Existenz.

Ich habe auf drohnen-einsteiger.de schon etliche Mails von Lesern bekommen, die dachten: „Ach, meine kleine Mini wiegt doch unter 250 Gramm, das ist Spielzeug.“ Spoiler: Ist es fast nie. Und genau darüber müssen wir reden. Nicht im Juristen-Deutsch, sondern so, dass wir danach sicher abheben können.

Der Elefant im Raum: Ist die Versicherung wirklich Pflicht?

Kurze Antwort: Ja. Punkt.

Lange Antwort: Es ist völlig egal, ob du eine winzige DJI Ryze Tello fliegst, eine FPV-Maschine selbst gelötet hast oder eine Inspire 2 durch die Gegend schaukelst. Das deutsche Gesetz unterscheidet beim Thema Versicherungspflicht kaum noch zwischen den Gewichtsklassen. Der springende Punkt ist das Luftverkehrsgesetz (LuftVG), genauer gesagt § 43.

Dort ist geregelt, dass für den Betrieb von Luftfahrzeugen eine Haftpflichtversicherung bestehen muss. Und ja, auch der kleine Quadrocopter, den es letzte Woche beim Discounter gab, gilt rechtlich als Luftfahrzeug, sobald er nicht explizit als reines Kinderspielzeug (nur für Kinder unter 14, ohne Kamera etc.) klassifiziert ist.

Viele verwechseln das immer noch mit dem Führerschein-Nachweis. Beim Drohnen-Führerschein gibt es Gewichtsgrenzen (die berühmten 250 Gramm). Bei der Versicherung gibt es diese Gnadenfrist nicht. Sobald das Ding abhebt und draußen geflogen wird, muss Deckung bestehen.

Warum „Ich pass doch auf“ nicht zählt

In Deutschland gilt die sogenannte Gefährdungshaftung. Das ist ein fieser Begriff, den man verstehen muss. Er bedeutet: Du haftest nicht nur dann, wenn du einen Fehler machst. Du haftest allein deswegen, weil du eine potenzielle Gefahr (die Drohne) in Betrieb genommen hast.

Stell dir vor, du fliegst perfekt. Plötzlich reißt eine Windböe den Kopter weg oder ein Akku fällt aus – reine Technik- oder Naturgewalt. Das Ding knallt auf die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos. Der Fahrer erschrickt, verzieht das Lenkrad und landet im Graben. Du hast keinen Steuerfehler gemacht. Schuld bist du trotzdem.

Ohne Versicherung zahlst du:

  • Den Schaden am Auto (ein paar Tausend Euro).
  • Den Feuerwehreinsatz und Abschleppdienst.
  • Schmerzensgeld und Verdienstausfall des Fahrers (das kann in die Hunderttausende gehen).
  • Eventuelle Rentenzahlungen, wenn bleibende Schäden entstehen.

Da wird einem ganz anders, oder? Deshalb ist die Diskussion, ob man sich die 30 bis 60 Euro im Jahr sparen kann, eigentlich absurd.

Der große Irrtum: „Ich habe doch eine Privathaftpflicht“

Das ist der Klassiker, den ich immer wieder höre. „Ich bin doch privat haftpflichtversichert, da ist alles drin.“ Vorsicht! Das kann stimmen, ist aber oft ein Trugschluss, der dich teuer zu stehen kommt.

Schau mal in deine Police. Vor allem, wenn der Vertrag älter als drei oder vier Jahre ist. In den Standard-Bedingungen älterer Verträge sind „motorgetriebene Luftfahrzeuge“ fast immer explizit ausgeschlossen. Die Versicherung deckt vielleicht ab, wenn du als Fußgänger einen Radfahrer umrempelst, aber nicht, wenn dein Quadrocopter Omas Gewächshaus zerlegt.

Es gibt aber Licht am Horizont: Viele moderne „Premium“-Tarife der großen Versicherer haben den Drohnenschutz mittlerweile integriert. Aber auch hier musst du das Kleingedruckte mit der Lupe lesen:

  • Oft gibt es Gewichtsgrenzen, zum Beispiel sind nur Fluggeräte bis 250g oder bis 5 kg inkludiert.
  • Manchmal gilt der Schutz nur für rein elektrische Modelle (was bei Drohnen meist der Fall ist, aber gut zu wissen).
  • Ganz wichtig: Ist auch die „Gefährdungshaftung“ abgedeckt? Manche alte Tarife decken nur Verschulden ab. Das hilft dir bei einem technischen Defekt genau gar nichts.

Mein Rat aus der Praxis: Verlass dich nie auf ein „Müsste passen“. Ruf den Makler an oder lass dir schriftlich bestätigen: „Ja, der Betrieb von unbemannten Fluggeräten gemäß LuftVG ist inklusive Gefährdungshaftung abgedeckt.“ Wenn die am Telefon erst mal blättern müssen, ist das meist kein gutes Zeichen.

Spezielle Drohnen-Haftpflicht vs. Vereine vs. Zusatzmodul

Wenn deine normale Haftpflicht abwinkt (oder einen Aufpreis will, der jenseits von Gut und Böse liegt), hast du im Grunde zwei solide Wege, um legal in die Luft zu gehen.

1. Die spezielle Halter-Haftpflicht

Es gibt Versicherer, die sich genau darauf spezialisiert haben (Held, R+V, Allianz etc. bieten oft separate Policen). Das ist meist die sauberste Lösung. Du schließt einen Vertrag ab, der sich nur um den Kopter kümmert.

Der Vorteil hierbei ist die Klarheit. Diese Policen sind auf die EU-Drohnenverordnung abgestimmt. Du bekommst in der Regel auch direkt eine englischsprachige Versicherungsbestätigung dazu – extrem wichtig, wenn du die Drohne mal mit in den Urlaub nach Österreich, Italien oder Spanien nehmen willst. Ein deutscher „Wisch“ von der HUK beeindruckt die Carabinieri in der Toskana nämlich herzlich wenig.

2. Versicherung über Modellflugverbände (DMFV, DMO, MFSD)

Als ich angefangen habe, war das der Goldstandard, und für viele ist er es immer noch. Du trittst einem Verband bei (wie dem Deutschen Modellflieger Verband oder der Deutschen Modellsport Organisation). Über die Gruppenversicherung der Mitglieder bist du dann abgesichert.

Das hat Charme, weil man oft noch Zusatzinfos bekommt, eine Lobby im Rücken hat und die Tarife sehr fair sind. Oft ist man hier schon für unter 40 Euro im Jahr dabei. Früher war das oft an den Betrieb auf Modellflugplätzen gebunden, aber die modernen Tarife dieser Verbände decken auch das sogenannte „Fliegen auf der grünen Wiese“ ab. Check trotzdem kurz, ob der gewählte Tarif auch wirklich welt- oder zumindest europaweit gilt.

Wichtiges Detail: Die Deckungssumme

Gesetzlich vorgeschrieben sind oft Mindestsummen, die lächerlich niedrig wirken (750.000 SZR – Sonderziehungsrechte, das ist eine Kunstwährung, entspricht grob einer wackeligen Million Euro). Tu dir selbst einen Gefallen: Ignorier das Minimum.

Wenn du wirklich einen Personenschaden verursachst, sind eine Million Euro schneller weg, als du „Propellerschutz“ sagen kannst. Wähle eine Deckungssumme von 10 Millionen, besser 50 Millionen Euro. Der Preisunterschied in der Jahresprämie beträgt oft nur zwei oder drei Euro – das ist weniger als ein Cappuccino an der Tankstelle.

Das Missverständnis mit der „Spielzeugrichtlinie“

Lass uns kurz technisch werden, weil das in Foren immer wieder falsch erzählt wird. Die EU-Verordnung unterscheidet bei der Registrierungspflicht oft danach, ob eine Drohne ein „Spielzeug“ gemäß Richtlinie 2009/48/EG ist.

Viele denken: „Meine Drohne ist klein, bunt und leicht – also Spielzeug. Keine Versicherung!“

Falsch. Ein Produkt gilt nur dann als Spielzeug in diesem juristischen Sinne, wenn der Hersteller es ausschließlich für Kinder unter 14 Jahren konzipiert hat. Eine DJI Mini 2 SE oder Mini 4 Pro ist kein Spielzeug. In der Anleitung steht fast immer „16+“ oder „Kein Spielzeug“. Zudem haben diese Dinger Kameras und Sensoren, die personenbezogene Daten erfassen können.

Also: Nur weil das Ding klein ist, kommst du um die Versicherungspflicht nicht herum. Selbst wenn du eine billige 30-Euro-Drohne mit einer 720p-Kamera beim Discounter kaufst, bist du streng genommen in der Haftungspflicht.

Gewerblich vs. Privat: Eine graue Zone wird klarer

Früher war die Trennung strikt: Sobald du ein Foto verkauft hast oder dein YouTube-Kanal monetarisiert war, brauchtest du einen (teuren) Gewerbetarif.

Heute sind die Grenzen in den Tarifen fließender, aber die Unterscheidung bleibt wichtig. Wenn du deine Drohne nutzt, um Dachinspektionen zu machen oder Hochzeitsvideos gegen Rechnung drehst, reicht die 35-Euro-Privatpolice vom DMFV meist nicht aus (bzw. du brauchst den Gewerbe-Zusatz).

Aber Vorsicht bei der Grauzone: Du fliegst eigentlich nur zum Spaß, lädst das Video aber bei YouTube hoch und hast Adsense aktiviert? Manche Versicherer werten das schon als gewerblich. Andere sagen: Solange der Umsatz minimal ist, gilt es als Hobby. Um ruhig schlafen zu können, frag genau das bei Abschluss nach. Es gibt mittlerweile tolle „Misch-Tarife“, die beides abdecken, ohne gleich Hunderte Euro zu kosten.

Was passiert, wenn ich ohne fliege?

Mal abgesehen von dem Horrorszenario eines Unfalls, bei dem du dein Leben lang zahlst: Auch ohne Unfall kann es teuer werden. Das Ordnungsamt oder die Landesluftfahrtbehörden verstehen hier wenig Spaß.

Das Fliegen ohne den erforderlichen Versicherungsschutz ist eine Ordnungswidrigkeit. Die Bußgelder können theoretisch bis zu 50.000 Euro betragen. Realistisch gesehen, wenn sie dich einfach nur auf dem Feld erwischen, bist du vielleicht mit ein paar Hundert Euro dabei. Aber wozu das Risiko eingehen?

Ein Polizist, der eine Drohnen-Kontrolle durchführt, will in der Regel drei Dinge sehen:

  • Deine e-ID (die auf der Drohne kleben muss).
  • Deinen Kompetenznachweis (Führerschein), falls für die Drohne nötig.
  • Deinen Versicherungsnachweis.

Den Nachweis habe ich übrigens immer als PDF auf dem Handy und zusätzlich als kleine Karte im Koffer der Drohne. Sicher ist sicher.

Checkliste für den schnellen Abschluss

Damit du nicht stundenlang suchen musst, hier worauf du konkret achten solltest, wenn du heute noch eine Versicherung abschließen willst:

Achte auf die Gefährdungshaftung im Kleingedruckten. Wenn das Wort fehlt, weitersuchen. Prüfe den Geltungsbereich. Nur Deutschland? Europa? Weltweit (außer USA/Kanada)? Wer gerne im Urlaub filmt, braucht Europa-Deckung.

Sieh dir die Kündigungsfristen an. Manche Verträge laufen stur ein Jahr, andere sind täglich kündbar (wie bei Helden.de oder ähnlichen Fintechs). Überlege, ob du Fremdflieger brauchst. Darf auch mal dein Kumpel steuern? In guten Tarifen ist das mitversichert, solange du als Halter dabei bist.

Fazit: Mach es einfach.

Versicherungen sind unsexy. Niemand redet gerne darüber. Aber bei Drohnen ist es wie beim Anschnallen im Auto: Es gehört einfach dazu, wenn man nicht völlig verantwortungslos unterwegs sein will.

Die Kosten sind im Vergleich zum Anschaffungspreis einer vernünftigen Kameradrohne ein Witz. Wir reden hier über den Preis von zwei großen Pizzen pro Jahr für den Schutz vor dem finanziellen Ruin. Kümmer dich drum, pack den Nachweis in die Drohnentasche, und dann genieß den Flug. Denn mit freiem Kopf fliegt es sich einfach entspannter.